Das vergangene Jahr hat uns viele Momente des Genusses gebracht, aber auch einige kulinarische Trends, die uns mehr den Kopf schütteln ließen, als dass sie uns inspirierten. Während manche Innovationen einen Platz in der Küche verdienen, gibt es Entwicklungen, die wir im kommenden Jahr getrost hinter uns lassen können.
Von überzuckerten Schokoladen-Explosionen bis zu KI-generierten Rezepten, die oft mehr Fragen als Antworten aufwerfen – dieser Artikel wirft einen kritischen Blick auf Foodtrends, die zwar kurzfristig für Aufsehen sorgten, langfristig aber mehr Nach- als Vorteile mit sich bringen.
1. Übertriebene Croissants und New York Rolls: Wenn Genuss zur Show wird

Croissants sind ein Sinnbild französischer Backkunst – ein perfektes Zusammenspiel von Butter, Mehl und Technik. Doch der Trend, diese Klassiker mit übertriebener Kreativität zu „pimpen“, hat mittlerweile absurde Dimensionen erreicht. Von Regenbogen-Croissants bis zu Croissants, die mit Schokoriegeln oder Cheesecake-Stücken gefüllt sind, steht oft nicht der Geschmack, sondern die visuelle Wirkung im Vordergrund.
Eine neuere Variante sind die sogenannten New York Rolls, eine Fusion aus Croissant und Donut. Diese Gebäckstücke sind bunt glasiert, gefüllt und geschichtet, aber oft so süß und schwer, dass der eigentliche Genuss verloren geht.
Vorteile
- Optisch ansprechend, besonders auf Social Media.
- Kurze Begeisterung durch kreative Präsentation.
Nachteile
- Geschmack bleibt oft auf der Strecke.
- Verlust der Authentizität und des Handwerks hinter dem Croissant.
- Häufig überzuckert und schwer verdaulich.
Fazit: Diese Trends mögen auf Instagram glänzen, aber auf unseren Tellern verlieren sie an Reiz. Es ist Zeit, wieder zur Einfachheit und Authentizität zurückzukehren – ein perfekt gebackenes, buttriges Croissant braucht keinen Schnickschnack.
2. QR-Code-Menüs: Praktisch, aber unpersönlich
Die QR-Code-Menüs sind ein Erbe der Corona-Pandemie, als sie eingeführt wurden, um die Übertragung von Viren durch den Kontakt mit physikalischen Speisekarten zu vermeiden. Während sie während der Krise eine sinnvolle Lösung boten, fühlen sich viele Gäste heute durch diese unpersönliche Art des Bestellens gestört.

Vorteile
- Wirtschaftliche und zeitliche Ersparnis für Gastronomen: Keine Druckkosten, einfache Aktualisierung der Speisekarten.
- Hygienischer in Zeiten von Gesundheitsrisiken.
Nachteile
- Verlust des Erlebnisses, eine Speisekarte in der Hand zu halten und das Angebot zu durchstöbern.
- Technische Hürden: Nicht jeder Gast hat ein Smartphone oder eine stabile Internetverbindung.
- Mangel an persönlichem Kontakt: Das Scrollen auf dem Handy lenkt vom gemeinsamen Esserlebnis ab.
Fazit: QR-Code-Menüs mögen praktisch sein, aber sie nehmen den Charme eines Restaurantbesuchs. Ein schön gestaltetes Menü kann Teil des kulinarischen Erlebnisses sein – und das sollte es auch bleiben.
3. Dubai-Schokolade: Vom Handwerksprodukt zum Discount-Trend
Was als aufregender TikTok-Trend begann, hat sich in Windeseile zu einem übertriebenen Hype entwickelt: Dubai-Schokolade. Ursprünglich handwerklich hergestellt und für ihren luxuriösen Geschmack bekannt, wird diese Schokolade mittlerweile zu einem Massenartikel. Selbst auf Weihnachtsmärkten, wie in Nürnberg, gibt es Crêpes und Waffeln mit „Dubai-Chocolade-Explosion“.
Vorteile
- Ein einfacher Zugang zu einem Produkt, das ursprünglich als Luxus galt.
- Viralität auf Social Media sorgt für Aufmerksamkeit.
Nachteile
- Verlust der ursprünglichen Qualität: Statt handwerklicher Raffinesse gibt es heute Discount-Varianten mit übertriebener Süße.
- Kurzlebiger Trendcharakter: Wie der Tamagotchi in den 90er-Jahren wird auch dieser Hype bald in Vergessenheit geraten.
- Überkommerzialisierung: Ein Produkt, das einst einzigartig war, wird zum Massenartikel, der seine Seele verliert.
Fazit: Es ist an der Zeit, solche Trends loszulassen und sich auf hochwertige, handwerkliche Produkte zu besinnen.
4. Künstliche Intelligenz in der Küche: Innovation mit Tücken

Die Idee, KI in der Küche einzusetzen, klingt faszinierend. Von Rezepten bis zu Food-Bildern – die Technologie hat das Potenzial, Prozesse zu vereinfachen. Doch oft führt der Einsatz von KI zu skurrilen Kombinationen und Ergebnissen, die wenig mit echtem Genuss zu tun haben.
Vorteile
- Effizienz: Schnelle Rezeptentwicklung und kreative Anregungen.
- Zugänglichkeit: Inspiration auch für weniger erfahrene Köche.
Nachteile
- Schwer zu unterscheiden: Selbst ich, als Experte, tue mich manchmal schwer, KI-generierte Bilder und Rezepte von echten zu unterscheiden.
- Verlust menschlicher Kreativität: In der Küche geht es nicht nur um Logik, sondern auch um Emotionen und Intuition.
- Häufig absurde Ergebnisse: „Sardellen-Schokoladen-Pasta“ ist vielleicht innovativ, aber sicher nicht genießbar.
Fazit: In meinen Kursen zeige ich meine Rezepte live – ein direkter Austausch und echtes Handwerk sind durch nichts zu ersetzen. KI mag faszinierend sein, aber sie kann die Wärme und das Können eines echten Kochs niemals ersetzen.
5. Funktionale Lebensmittel: Mehr Marketing als Substanz
Funktionale Lebensmittel versprechen wahre Wunder: besserer Schlaf, mehr Energie, glänzendes Haar. Doch oft sind diese Produkte überteuert und halten nicht, was sie versprechen.


Vorteile
- Theoretisch könnten sie gesündere Alternativen bieten.
- Guter Marketingansatz für spezifische Zielgruppen.
Nachteile
- Häufig irreführend: Die „Wunderwirkung“ wird oft nicht wissenschaftlich belegt.
- Geschmack leidet: Der Fokus auf Funktionalität geht häufig zulasten des Genusses.
Fazit: Essen sollte vor allem schmecken und natürlich nahrhaft sein. Gesundheitsversprechen sind kein Ersatz für echte, hochwertige Lebensmittel.
Warum wir wieder zu Authentizität zurückkehren sollten
Essen ist mehr als nur Nahrung – es ist Kultur, Leidenschaft und ein Ausdruck unserer Werte. Trends mögen kommen und gehen, doch was bleibt, ist die Liebe zum Handwerk, zur Qualität und zum Genuss. Statt uns von viralen TikTok-Hypes oder überkreativen Gebäckstücken mitreißen zu lassen, sollten wir uns darauf besinnen, was wirklich zählt: ehrliche Aromen, traditionelle Techniken und eine Küche, die von Herzen kommt.


